
Thema «Tapezieren mit Leimdrucktapeten»
Thema «Tapezieren mit Leimdrucktapeten»
Schicht für Schicht –
Wände voller Geschichten
Schicht für Schicht –
Wände voller Geschichten
Die Jugendstilvilla Sonnenhalde in Chur aus dem Jahr 1904 wurde einer umfassenden Sanierung unterzogen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Erhalt historischer Tapeten im Innern des Hauses. Während der Arbeiten kamen unter mehreren Tapetenlagen die Originaltapeten aus der Bauzeit zum Vorschein. Diese haben wir mit grosser Sorgfalt freigelegt, dokumentiert und restauriert – ein bedeutender Beitrag zur Bewahrung des gestalterischen Erbes der Villa.
Seit dem Bau der historischen Jugendstilvilla im Jahr 1904 wurden sämtliche Wände zum Teil mehrfach übertapeziert. Nun galt es, die Tapeten so sorgfältig wie möglich zu entfernen, um mögliche Originaltapeten in Farbton und Dessin festzuhalten. Das erwies sich als echte Herausforderung, da die Originaltapeten der Bauzeit im Leimdruckverfahren hergestellt worden waren.

Detailbild der neuen Leimdrucktapete in der Bibliothek
Tapeten im
Leimdruckverfahren
Tapeten im
Leimdruckverfahren
Der Leimdruck ist ein historisches Hochdruckverfahren, bei dem mit Leim gebundene Farben mithilfe kunstvoll gefertigter Musterwalzen auf Papier übertragen werden. Jede Druckfarbe erfordert eine eigene Walze aus massivem Holz, die Formstecher früher in präziser Handarbeit mit filigranen Metallstegen herstellten. Je nach Druckmaschine lassen sich bis zu 18 Farben gleichzeitig einsetzen. Die Farben werden von den hölzernen Musterwalzen mit Filz, Gummi- und Metallprofilen auf die Papieroberflächen übertragen und erzeugen das charakteristische, weiche Druckbild. Typisch für den Leimdruck ist das sanfte Ineinanderfliessen der Farben, das den besonderen Reiz dieser Tapeten ausmacht und für eine einzigartige Harmonie der verschiedenen Farben sorgt. Auch der Papierträger der Tapete unterstützt das Erscheinungsbild in idealer Weise. Grundsätzlich lassen sich Leimdrucktapeten durchaus mit Siebdrucktapeten vergleichen. Das moderne Druckverfahren mit Acrylfarben hat im Vergleich zum Leimdruck allerdings eine eher technische Anmutung und die Übergänge der Farben sind etwas klarer abgesetzt.
Vergangenheit behutsam freigelegt
Vergangenheit behutsam freigelegt
Die Farben der Leimdrucktapeten sind wasserlöslich und entsprechend empfindlich gegenüber Wasser und Dampf. Dennoch gelang es uns, die Originaltapeten bei der Renovation weitgehend unbeschädigt freizulegen. Einige Abschnitte konnten sogar vollständig vom Untergrund gelöst und als historische Zeugnisse für die Bauherrschaft bewahrt werden.

Freigelegte Leimdrucktapeten im Wohn- und Esszimmer
Schritt für Schritt zur neuen Tapete
Schritt für Schritt zur neuen Tapete
Eine hochwertige Tapezierarbeit kann nur mit einem guten, sorgfältig vorbereiteten Untergrund gelingen. Dazu gehören der richtige Spachtel sowie ein sauberes Abglätten des Untergrundes mit der passenden Grundierung.
Das Tapezieren von Leimdrucktapeten erfordert vom Tapezierer ein sehr exaktes Vorgehen. Da der Leimdruck wasserlöslich ist, gilt es, Kleberrückstände vor allem an Tapetenstössen vorsichtig zu entfernen. Auch das Zuschneiden der Tapeten bedingt höchste Präzision und grosse Aufmerksamkeit. Historische Papiertapeten werden im Wandschnitt bzw. überlappend tapeziert. Die Ränder müssen vor den Tapezierarbeiten auf dem Tapeziertisch passend zugeschnitten werden.
Auswahl der Ersatztapeten
Auswahl der Ersatztapeten
Leimdrucktapeten werden heute selten tapeziert und kommen nur noch in historischen Gebäuden zum Einsatz, in denen man die Originalsubstanz möglichst nach historischem Vorbild erhalten möchte. Wegen der geringen Nachfrage ist die Auswahl an Leimdrucktapeten eher limitiert. In den noch bestehenden Kollektionen haben wir nach Tapeten gesucht, die sich in Farbe, Motiv und Struktur möglichst dem freigelegten Original annähern. Leider war das nicht in allen Räumen möglich.

Ersatztapete im Vergleich zur Originaltapete
Da auch das gesamte Holzwerk der Jugendstilvilla nach historischem Vorbild restauriert wurde, war die Farbgestaltung bereits weitgehend vorgegeben. Entsprechend galt es, die Auswahl geeigneter Tapeten auf diese Farbtöne abzustimmen, was den gestalterischen Spielraum zusätzlich einschränkte.
In der Bibliothek und im Esszimmer des Obergeschosses sowie im Treppenhaus standen uns Leimdrucktapeten zur Verfügung, die dem Original in Farbton, Struktur und Motiv allesamt erstaunlich nahekommen.
Räumliche Unterschiede
Räumliche Unterschiede
Während in den Wohnräumen durchwegs florale Motive in angenehmen, bunten und dennoch dezent wirkenden Farben vorkommen, ist das Treppenhaus eher von einem abstrakten Motiv bzw. grafischen Muster geprägt. Mit einem etwas weniger bunten Grün ist die Farbigkeit hier eher zurückhaltend, entfaltet ihre Wirkung aber dennoch mit der grossflächigen Präsenz und vor allem auch im Kontrast zum rötlich gestrichenen Holzwerk.

Ersatztapete im Vergleich zur Originaltapete

Florale Motive in der Bibliothek

Die Ersatztapete in der finalen Ausführung im Esszimmer.
Altbauweise mit Sorgfalt
Altbauweise mit Sorgfalt
Die Wiederentdeckung und die sorgfältige Aufarbeitung der Leimdrucktapeten zeigen, wie denkmalpflegerisches Feingefühl und handwerkliches Können zusammenwirken. Das faszinierende Ergebnis solcher Projekte bestärkt uns bei Altbauweise immer wieder aufs Neue in unserem Anspruch, historische Bausubstanz mit Sorgfalt zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Den Bericht finden Sie hier im PDF-Format:
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